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Atelierhaus Kind

Das harmonisch in den Steilhang gesetzte Atelierhaus schliesst sich in seinem modernen Habitus den drei avantgardistischen Flachdachbauten von Artaria & Schmidt an, die seit 1927 an Riehens Hängen Aufsehen erregten (Nrn. 6, 7, 9). Anders jedoch als bei diesen prototypischen Versuchshäusern in Stahlkonstruktion sind hier die kantigen Kuben mit grossen Fensterflächen konventionell gemauert und besitzen nicht den manifestartigen Charakter ihrer drei berühmten Zeitgenossen.
Dass die Architekten Bräuning und Leu mit dem kleinen Atelierhaus erstmals Zugang zur Moderne fanden und die Formensprache des Neuen Bauens konsequent anwendeten, ist vor allem den Wünschen der Bauherrin Brunilde Damira (18841978) zu verdanken. Die Malerin und Bildhauerin mit schweizerisch-italienischen Wurzeln pflegte regen Austausch mit Kulturschaffenden, die auch der modernen Ar­chitektur gegenüber aufgeschlossen waren.
Formbestimmend sind die beiden Arbeitsräume im Eingangsgeschoss, die sich als zwei gesonderte, horizontal und vertikal versetzte Baukörper präsentieren. Der bergseitige Raum mit grossem Nordfenster und Oberlicht beherbergte das Bildhaueratelier, von dem aus ein grosses Tor ins Freie führt. Die gemalten Werke entstanden wohl im kleineren, nach Osten orientierten Atelier. Die Wohnung im Untergeschoss ordnet sich in ihrer minimalen Konzeption ganz den grosszügigen Arbeitsräumen unter. Das Wohnzimmer mit direktem Ausgang zum Garten, der Vorraum mit Kochnische und das Bad sind Platz sparend in den Grundriss eingepasst. Wie bei den Meisterhäusern des Dessauer Bauhauses, denen das Atelierhaus stilistisch verwandt ist, war das Innere ursprünglich in kräftigen, kontrastreichen Farben ausgemalt.
In seiner elementaren, sachlich-nüchternen Ausformung gewinnt das Atelierhaus den Charakter eines Gewerbebaus, einer «beseelten Fabrik», die zur ei­gen­tlichen Lebensbühne der Künstlerin wurde, wo sie ihren Freundeskreis regelmässig zu Ausstellungen, Konzerten, Theateraufführungen und Lesungen versammelte.

Baujahr: 1929

Architektur: Franz Bräuning und Hans Leu, Basel
Adresse
Dinkelbergstrasse 20, 4125 Riehen
Datenquelle: Schweizer Heimatschutz
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