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Villa des Schlachthof-Verwalters

Die freistehende zweigeschossige Villa mit Mansarddach war einst das Wohnhaus des Schlachthofverwalters. Das herrschaftliche Haus ist im neuba-
rocken Stil erbaut und stammt, wie auch die es umgebende Mauer, aus der Erweiterungsphase des Schlachthofs von 19001904. 1999 wurde es sorgfältig renoviert und beherbergt heute eine Kinderkrippe des «Child Care Service Basel». Besonders hervorzuheben ist die Tatsache, dass die ursprüngliche Raumgliederung und der Ausbau im Innern vollständig erhalten geblieben sind. Im Erdgeschoss befanden sich das Büro des Schlachthofverwalters, ein Studierzimmer, eine Küche, ein Dienstzimmer sowie ein Wohnzimmer mit Veranda. Im oberen Geschoss waren Wohn- und Schlafzimmer untergebracht. Die Treppe, das Eichenparkett, die Terrazzo- und Keramikböden, Täfer, Decken mit Stuckleisten, ein gusseiserner Rundofen mit figürlichen Darstellungen und die Eingangs-, Windfang- und Zimmertüren gehören zur originalen und gut erhaltenen Ausstattung.
Die Villa war Teil des Schlachthof-Areals und in dessen südlicher Ecke untergebracht. Die ältesten Teile des Basler Schlachthofs wurden 1868/70 erbaut. Nach heftigen Kämpfen und Widerständen vor allem seitens der Metzger, die noch keine Trennung zwischen Schlachten und Fleischverkauf kannten, entschloss sich die Stadt Basel 1863 zum Kauf des Ehrsamschen Landgütleins an der Elsässerstrasse, um dort die ersten Gebäude der Schlachtanstalt zu errichten. Eine solche wurde in der Stadt dringend benötigt, hatten doch die Choleraepidemie von 1855 und die Typhusepidemie von 1865 etwa 600 Tote gefordert. Aber auch der Gestank der Schlachthallen mitten in der Stadt war unerträglich geworden. Heute sind die Villa des Verwalters und das Fragment der einstigen Umfassungsmauer die letzten Zeugen einer ehemals ausgedehnten Anlage.

Baujahr: 1903

Architektur: Carl Leisinger
Adresse
Elsässerstrasse 4, 4056 Basel
Datenquelle: Schweizer Heimatschutz
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