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Baukultur entdecken

Panorama

Im Juli 1893 öffnete das Panorama Einsiedeln seine Tore. Deutsche Lederfabrikanten, die auf die Herstellung von illusionistischen Schaubildern spezialisiert waren, hatten es initiiert. Sie wollten eine Kopie des in Wien abgebrannten, vielbewunderten Panoramas "Kreuzigung Christi" von Bruno Piglhein im bekannten Wallfahrtsort Einsiedeln ausstellen. Nachdem das Kloster das Angebot abgewiesen hatte, konnten in den Herren Benziger & Cie. Partner "für das Geschäft mit der Religion" gefunden werden. Die verkleinerte Kopie der Pilglheinschen Kreuzigung wurde bestellt und der Architekt Fourné aus Nürnberg entwarf ein schlichtes zwölfeckiges Gebäude aus Holz. Die Besucherzahlen schnellten schon kurz nach der Eröffnung in die Höhe und übertrafen sämtliche Erwartungen.

Die Panorama-Rotunden zogen mit ihren perspektivisch-plastisch wirkenden Rundbildern vor allem im 19. Jahrhundert die Menschen in ihren Bann. In der Zeit der Demokratisierung konnte das Volk als neuer Souverän durch dieses Massenmedium gleichsam die Allsicht Gottes nachempfinden. Auch in diesem Zusammenhang darf es nicht erstaunen, dass das Kloster dem Panorama skeptisch gegenüberstand.

Die Platzierung des Panoramas in der Verlängerung der Benzigerstrasse passte in die, Mitte des 19. Jahrhunderts angelaufene, sorgfältige bauliche Planung des nördlichen Dorfteils: Die nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch einflussreiche Familie Benziger erweiterte weitgehend auf familieneigenem Besitz das Dorf systematisch gegen Norden. Bereits zwanzig Jahre vor dem Bau des Panoramas ist das rechtwinklige Strassennetz mit Eisenbahnstrasse und Benziger-, Nord- und Ochsnerstrasse deutlich erkennbar. Im Augpunkt der Benzigerstrasse stärkt das Panorama die Erschliessung des Zukunftsquartiers.

1960 brannte das Gebäude mitsamt dem Gemälde ab. Bereits im darauffolgenden Jahr wurde das Rundbild rekonstruiert und ist seither als impressionistische Kopie der Kopie in einem einfachen Nachfolgebau zu besichtigen.
(Das Panorama ist von Karfreitag bis Ende Oktober, Mo-Fr 13-17 Uhr, am Wochenende 10-17 Uhr geöffnet)

Baujahr: 1893, 1960 Ersatzneubau

Architektur: Fourné, Nürnberg, Erwin Koch, Einsiedeln (Ersatzneubau)
Adresse
Benzigerstrasse 35, 8840 Einsiedeln
Datenquelle: Schweizer Heimatschutz
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