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Baukultur entdecken

Mondada

Der Weiler Mondada besteht aus rund zwanzig aneinander gereihten Gebäuden, die teilweise bis ins 17. Jahrhundert zurück gehen. Der bescheidene Ertrag aus den kargen Böden ermöglichte nur wenige und bescheidene Bauten. Der Steilhang über der Häusergruppe muss­te in mühevoller Arbeit terrassiert werden, um Anbauflächen für Roggen und Kartoffeln schaffen zu können.
Ein Kastanienhain, auch Selve genannt, umgibt den Weiler. Die Kastanie war für die frühen Bewohner südlich der Alpen vor der Einführung von Mais und Kartoffel das Hauptnahrungsmittel. Ein besonderes Recht erlaub­te jedermann, einen Kastanienbaum auf öffentlichem Grund zu pflanzen und anschliessend seine Früchte zu nutzen. Die Kastanien wurden geröstet, gekocht, getrocknet oder gemahlen, um daraus Fladenkuchen (Focacce) zu backen. Der langlebige und vielseitige Baum lieferte nebst den Früchten auch Blätter für die Streu im Stall, Brenn- und Bauholz sowie Tannin zum Gerben von Tierhäuten.

Wenig oberhalb des Weilers befindet sich ein Kastaniendörrhaus, eine einfache Konstruktion mit Eingangstür und kleiner Fensteröffnung. Die Kastanien wurden in Tragkörben, so genannten Kratten, auf dem Rücken hereingebracht und hernach auf dem hölzernen Gitterrostboden ausgebreitet. War der Trockenraum voll, wurde im Raum darunter Feuer angemacht und mit der Spreu des Vorjahres bedeckt, um eine Flammenbildung zu verhindern. Das schwelende Feuer musste Tag und Nacht gehütet, die Kastanien regelmässig gewendet werden. Die Trocknung dauerte in der Regel so viele Tage wie Kratten entleert wurden. Danach mussten die Früchte noch warm geschält werden, was meist durch Zerstossen im Mörser geschah. Anschliessend wurden die Kastanien mit einer Schwinge von den Schalenresten und der Spreu getrennt. Zum Schluss folgte das Verlesen: Die schönsten Kastanien waren für den Kochtopf bestimmt, die Mittelmässigen für die Mühle und die Drittklassigen für die Schweine.
Vor dem Bau der Fahrstrasse im Jahre 1956 benutzten die Bavonesi den Saumpfad als Verbindung zwischen den Weilern. Am Samstag wanderten jeweils ganze Gruppen von Leuten talwärts, um sich für den Kirchgang am Sonntag zu rüsten und für die kommende Woche Pro­viant einzukaufen. Zahlreiche Kapellen säu­men noch heute den Weg und sind Zeugen einer tief im Glauben verwurzelten Bevölkerung. Nebst kleinen Kapellen mit einfacher Nische sind auch grössere mit Vorbau anzutreffen. Nicht selten erinnern die Kapellen an
Ereignisse, wie etwa Bergkatastrophen oder über­standene Gefahren.
Die so genannte Australierkapelle, ausserhalb von Mondada an der Strasse Richtung Fontana gelegen, erinnert an eine ganz besondere Episode: Weil im 19. Jahrhundert die Nachkommen der Familien nicht genügend Auskommen erwirtschaften konnten, waren viele gezwungen, in andere Länder auszuwandern (vgl. 1). Zweiundzwanzig Cavergnesi beschlossen 1854 alles aufzugeben und nach Australien zu emigrieren. Eine lange und ermüdende Reise und ein schwieriger Start in der Fremde erwarteten diese Menschen. Um für die bevorstehenden Gefahren besser gerüstet zu sein, stifteten sie vor ihrem Weggang eine Kapelle.
Adresse
Valle Bavona
Datenquelle: Schweizer Heimatschutz
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