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11. Dezember 2015
Rapperswil-Jona (SG)

News

Um den Bedarf an altersgerechtem Wohnraum und stationären Pflegeplätzen in Rapperswil-Jona langfristig zu sichern, planen Stadt und Ortsgemeinde im Schachen eine neue Infrastruktur. Anwohnerinnen und Anwohner haben mittels Petition zum Vorhaben Stellung bezogen. Der Stadtrat hat die Petition beantwortet. Er sieht im Projekt die Chance, für die Betagtenbetreuung sowie die stationäre Pflege eine fortschrittliche, ganzheitliche Lösung zu realisieren.
Am 31. August 2015 hat der Stadtrat eine Petition «für ein menschliches Wohnen im Alter» entgegengenommen. Die Petitionärinnen verliehen ihrer Forderung Ausdruck, dass das neue Zentrum Schachen über maximal 100 Plätze verfügen soll und dass weitere Standorte wie Meienberg, Bühl sowie ein Zentrum in Rapperswil bestehen bleiben. Ausserdem ist es ihnen ein Anliegen, dass alte Menschen in der neuen Anlage nicht isoliert werden.

Der Stadtrat hat die Petition per 10. Dezember 2015 schriftlich beantwortet. Vorgängig hat er gegenüber den Petitionärinnen am 27. November 2015 im Rahmen eines persönlichen Gesprächs Stellung bezogen.

Bedarf an Pflegeplätzen steigt
Im Jahr 2012 hat der Stadtrat das Konzept «Wohnen im Alter in Rapperswil-Jona» verabschiedet. Das Konzept beinhaltet die Bedarfsplanung für den Zeitraum bis 2030. Diese geht davon aus, dass der Bedarf an Pflegeplätzen in den kommenden Jahren aufgrund der demografischen Entwicklung weiter steigen wird und dass der Bau eines neuen Pflegezentrums deshalb dringend ist.

Heute bestehen in Rapperswil-Jona drei Pflegezentren. Die Zentren Meienberg und Bühl werden von der Stiftung RaJoVita im Auftrag der Stadt betrieben. Das Bürgerspital am Fischmarktplatz gehört der Ortsgemeinde. Die heutigen Angebote weisen Schwächen hinsichtlich ihrer Qualität auf: geringe Anzahl von Einerzimmern, aufwendige Betriebsabläufe sowie eine Infrastruktur, die teilweise nicht mehr zeitgemäss ist.

Als das heutige Pflegezentrum Meienberg in den Sechziger-Jahren gebaut wurde, stand der Betrieb als Altersheim im Mittelpunkt. Die Infrastruktur eignet sich deshalb nur begrenzt für die Betreuung stark pflegebedürftiger Menschen. Die Grundrisse sind nicht optimal. Abgesehen davon sind die Bauten in die Jahre gekommen und zeigen erheblichen Sanierungsbedarf.

Auch das Bürgerspital entspricht nicht mehr den aktuellen Anforderungen an die Pflege älterer Menschen. Denkmalpflegerische Auflagen das Hauptgebäude stammt aus dem Jahr 1845 sowie der begrenzte Raum mitten in der Altstadt verunmöglichen einen betriebswirtschaftlichen sinnvollen Um- oder Neubau.

Familiäres Klima dank Wohngruppenkonzept
Aus den dargelegten Gründen sollen das Pflegezentrum Meienberg und das Pflegezentrum Bürgerspital geschlossen werden. Stattdessen ist vorgesehen, im Schachen ein neues Zentrum mit einer qualitativ hochwertigen Architektur zu realisieren. Geplant sind rund 160 Plätze, in einem späteren Ausbauschritt kommen weitere 40 Plätze dazu. Zum Projekt gehören ausserdem 60 Alterswohnungen mit Service. Diese werden von der Ortsgemeinde Rapperswil-Jona erstellt. Ergänzend bleibt das bestehende Pflegezentrum Bühl beim Bahnhof Jona erhalten.

Geplant sind zeitgemässe Zentren, die den Bewohnerinnen und Bewohnern ein behagliches, attraktives Zuhause bieten. Um dies zu erreichen, basieren die räumlichen Strukturen auf dem Wohngruppenkonzept, das trotz Grösse der Anlagen ein familiäres Klima ermöglicht.

Generationenverbindender Nutzen
Neben den privaten Wohnbereichen der Bewohnerinnen und Bewohner sind gemeinschaftlich genutzte Räume sowie öffentliche Bereiche vorgesehen. Letztere dienen als Verbindung ins Quartier und schaffen auch für die Anwohner einen Mehrwert. Es entstehen neue Begegnungsräume, unter anderem Cafeteria oder Parkanlagen. Dieser Ansatz wirkt integrierend.

Zudem sind im Zentrum Schachen auch generationenverbindende Nutzungen möglich: beispielsweise die Integration einer Kindertagesstätte oder eines Mittagstisches für Schülerinnen und Schüler. Diese Durchmischung ermöglicht wertvolle Begegnungen und Kontakte zwischen den Generationen. Sie hilft also mit, die von den Petitionärinnen befürchtete Isolation älterer Menschen zu verhindern.

Durch die Realisierung von privaten und altersgerechten Alterswohnungen in der unmittelbaren Nachbarschaft können darüber hinaus Synergien genutzt werden. Beispielsweise können Bewohnerinnen und Bewohner der Alterswohnungen Dienstleistungen des Pflegezentrums in Anspruch nehmen: Mahlzeitendienste, Teilnahme an Akitivierungsprogrammen und anderes. Dieses Konzept unterstützt den Wunsch vieler Seniorinnen und Senioren nach einem möglichst langen Aufenthalt in den eigenen vier Wänden.

Dem Personalmangel entgegenwirken
Die geplante Grösse des neuen Zentrums ist aber nicht nur aus praktischen, sondern auch aus ökonomischen Gründen angebracht. Die spezifischen Kosten pro Pflegeplatz lassen sich durch die Fokussierung auf zwei Standorte tiefer halten. Zudem ist angesichts des heute schon spürbaren Fachkräftemangels im Pflegebereich eine ressourcenschonende Infrastruktur von grosser Bedeutung. Gleichzeitig ist die neue Infrastruktur für die Angestellten der Stiftung RaJoVita interessant, weil sie in Zukunft noch modernere Arbeitsplätze vorfinden. Das ist ein entscheidender Vorteil im Wettbewerb um gut qualifiziertes Pflegepersonal.

Momentan wird für das Vorhaben eine Machbarkeitsstudie erstellt. Wichtige Themen sind die Nutzungsverteilung, Erschliessung, das Bauvolumen, Gebäudegrundflächen, Gebäudehöhen und anderes. Im zweiten Teilprojekt geht es um die Finanzierung. Der Stadtrat hofft auf einen weiterhin konstruktiven Dialog mit den Petitionärinnen sowie den weiteren Anspruchsgruppen. Die Kommunikation für den bevorstehenden Prozess ist gewährleistet. Stadtrat und Ortsgemeinde werden die Öffentlichkeit laufend über alle wichtigen Schritte informieren.
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